Eine kleine Geschichte der Energiewende

Teil 1 - Nicht allein ein Kind der 70er

Der erste Teil unserer Geschichte der Energiewende wirft einen Blick auf ihre Vorgeschichte, die wesentlich älter ist als man meinen könnte. Sie führt uns bis in die frühe Neuzeit, in der zum ersten Mal befürchtet wurde, dass die Kohlevorräte endlich sein könnten.

Wann begann die Energiewende und von wem ging sie aus? Ganz unwillkürlich schießen einem Bilder von protestierenden Menschen durch den Kopf, mit Schlaghosen und wilden Mähnen.

Solche Bilder haben auch viel mit der Wirklichkeit zu tun, denn in den 1970er Jahren formierte sich allmählich die Anti-AKW-Bewegung in unterschiedlichen Regionen der Welt – und die ersten Szenarios einer alternativen Energieversorgung wurden in dieser Zeit entwickelt, so z.B. durch den US-amerikanischen Physiker Amory Lovins. In seinem Buch „Soft Energy Paths. Toward a durable Peace“ beschrieb er 1979 als einer der Ersten die Zukunftsvision, Kern- und Kohleenergie durch Energieeffizienz und erneuerbaren Energiequellen nach und nach vollständig zu ersetzen.

Die allerersten Ideen zur Transformation der menschlichen Nutzung von Energie entstanden aber tatsächlich bereits im 19. Jahrhundert. Diesen Ideen voraus ging die Erkenntnis, dass die fossilen Vorräte der Erde irgendwann erschöpft sein könnten. Bereits 1563 gingen die Befürchtungen in Schottland sogar soweit, dass das Parlament ein Exportverbot für Kohle beschloss. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hielt sich allerdings weitgehend die Auffassung, dass die Kohlevorräte endlos seien – sowohl auf der Insel als auch auf dem europäischen Kontinent.

Erst danach mehrten sich die Stimmen, die ein Ende der fossilen Ressourcen für möglich und bedrohlich hielten, darunter die des Soziologen Max Weber. Er sah damit gar das Ende der modernen Wirtschaftsordnung kommen. Zur ungefähr gleichen Zeit aber glaubte Werner Sombart, ebenfalls Soziologe, bereits an die Solarenergie und daran, dass die menschliche Zivilisation auf dieser Basis überleben könnte.

Augustin Mouchot

Augustin Mouchot

Auch konkrete Versuche, Solarenergie nutzbar zu machen, fanden nun statt: Augustin Mouchot, ein französischer Mathematiklehrer, beispielsweise experimentierte 1860 erstmals mit Solarkochern – inspiriert durch Horace-Bénédict de Saussure, einen Schweizer Naturforscher des 18. Jahrhunderts.

Mouchot baute zudem eine erste Solar-Dampfmaschine, die aber wegen ihres großen konischen Silberspiegels mit fünf Metern Durchmesser nicht wirtschaftlich war. 1878 brachte ihm sie aber immerhin eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung ein. Sein Buch „Die Sonnenwärme und ihre industriellen Anwendungen“, das er nach der Weltausstellung für eine 2. Auflage überarbeitete, avancierte zu einem Technikklassiker.

Solarthermisches Kraftwerk in Los Angeles (ca. 1901)

Solarthermisches Kraftwerk in Los Angeles (ca. 1901)

Am Beginn des 20. Jahrhunderts, 1913, wurde dann schon das erste solarthermische Kraftwerk mit Parabolrinnen gebaut. Frank Shuman, ein US-amerikanischer Erfinder und Charles Boys, ein englischer Physiker, setzten diese in Maadi, Ägypten, erstmals zur Dampferzeugung für eine 45-kW-Dampfmotorpumpe ein.

Windrad im dänischen Vallekilde (um 1905)

Windrad im dänischen Vallekilde (um 1905)

Die ersten stromerzeugenden Windanlagen sind sogar noch älteren Datums: Sie wurden bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und hatten die bekannten Wind- und Wassermühlen zum Vorbild.

Bereits im frühen 20. Jahrhundert verbreiteten sie sich als dezentrale Möglichkeit zur Stromerzeugung, insbesondere in ländlichen Gegenden in Dänemark, aber auch in den USA und in Deutschland. Insgesamt wurden in Deutschland bis in die 1930er Jahre hinein schon 3600 solche Anlagen gebaut – teils als Pumpen, teils zur Stromerzeugung.

Die Geschichte der Energiewende ist also wesentlich älter, als man meinen könnte und birgt mitunter verblüffende Tatsachen. Und wer weiß, vielleicht begeistern Kuriositäten dieser Art am Ende ja sogar noch den ein oder anderen Skeptiker.

In den Fortsetzungen unserer Geschichte der Energiewende wird es zum einen um die politische Energiewende in Deutschland und zum anderen um unsere Verknüpfung als Unternehmen damit gehen. Denn Sunbeam wird dieses Jahr 20 Jahre alt und ist dem Thema seither verbunden. Sie dürfen also gespannt sein.

Links

http://www.zeit.de/1987/46/kaum-neues-unter-der-sonne
http://www.bpb.de/apuz/59680/eine-kurze-geschichte-der-deutschen-antiatomkraftbewegung?p=all
http://landartgenerator.org/blagi/archives/2004
http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2014/02/historischer-ruckblick-auf-die-elektrizitatsversorgung-in-deutschland-von-gerhard-kilper-und-thilo-kilper/

Bücher:

Lovins, Amory B., Soft Energy Paths: Towards a Durable Peace. New York: Harper & Row, 1979.
Nef, J.U., The Rise oft he British Coal Industry, Volume II. Oxon: Frank Cass & Co, 1966
Van der Pot, Johan Hendrik Jacob, Die Bewertung des technischen Fortschritts II. Assen: Can Gorcum & Comp., 1985


Die Autorin

Stefanie Müller, seit 2015 bei Sunbeam im Bereich PR, Leidenschaft für die Energiewende, Hamburch (!) und ihre Familie